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Octave HP 700

… and there goes the roof

Die Firma von Andreas Hofmann, Octave Audio, ist offensichtlich ein bodenständiges Unternehmen, das an viele Details denkt. Das beginnt schon bei der Verpackung. Bei einer Vorstufe rechnet man mit der Anlieferung eines handlichen Kartons. Tatsächlich kommt der HP 700 in einer „Riesenschachtel“, die auch einer Röhrenendstufe gut zu Gesicht stehen würde. Da überlässt jemand nichts dem Zufall und beugt so Transportschäden vor. Gerade bei Röhrengeräten eine kluge Entscheidung.

Beim Auspacken fällt eine ausführliche Bedienungsanleitung auf, die auch technische Hintergründe erläutert (Download: http://www.octave.de/pdf/BA_HP700_DE_10-2014.pdf), und ein kleiner Imbus-Schlüssel, mit dem der Gehäusedeckel demontiert werden kann. Dies macht Sinn, da intern über einen Schalter die Ausgangsimpedanz der Line-Vorstufe an eine entsprechende Endstufe angepasst werden kann: LOW (100 Ohm) oder HIGH (300 Ohm).

Hofmann setzt im Hochpegelteil der HP 100 auf eine klassische Doppeltriode vom Typ ECC 83 und zwei Pentoden vom Typ EF 184 (Alternativ EF 800). Durch Umschalten können anstelle der beiden EF 184 auch Pentoden vom Typ D 3A oder alternativ E 180F betrieben werden. „Tuberoller“ haben aber auch beim HP 700 ein Betätigungsfeld. Die eingesetzten Röhren sind sowohl als Neuware aus Osteuropa oder Asien bzw. auch als NOS (New Old Stock) verfügbar. Nachschubprobleme gibt es hier mit Sicherheit keine, zumal Andreas Hofmann die Lebensdauer eines Röhrensatzes mit zwischen 5 und 10 Jahren angibt.

Damit ist die Vorstufe also alles andere als ein „Röhrenfresser“: Eine derzeit in Highend-Magazinen weltweit sehr hoch bewertete US-amerikanische Line-Röhrenvorstufe gibt im Gegensatz dazu als durchschnittliche Lebensdauer der Röhren im Netzteil gerade mal 2.000 Stunden und für den 6H30-Röhrensatz 4.000 Stunden an. Hier zeigt sich, dass die Verstärker von Octave Audio mit geringeren internen Betriebsspannungen arbeiten, was der Lebensdauer der Röhren zugute kommt und die Betriebssicherheit zudem erhöht.

Die größte Besonderheit des HP 700 ist seine Flexibilität durch den modularen Aufbau. Die Line-Vorstufe kommt in der Basisversion mit drei Cinch und drei symmetrischen XLR-Eingängen. Ausgangsseitig stehen zwei Cinch und ein XLR-Ausgang zur Verfügung. Eine vollwertige Monitorschleife erlaubt den Betrieb von Bandgeräten mit Hinterbandkontrolle oder lässt sich für Hometheater-Anwendungen nutzen. Wahlweise auch symmetrisch mit XLR Steckern bzw. Kupplungen. Auf der Rückseite ist Platz für zwei weitere Eingänge, die als Modul ausgeführt einfach in den Vorverstärker eingesteckt werden können.

Wer eine der Phono-Optionen nutzen will (MM, MC, MC über Step-up-Trafo verstärkt), muss den HP 700 mit Phono-Teil ordern und kann über die steckbaren Einschübe seinen Plattenspieler / Tonabnehmer optimal anpassen. Inklusive schaltbarem Subsonic-Filter. Wem die Line-Eingänge nicht ausreichen: Ein solcher, umschaltbar für XLR und Cinch, kann problemlos rasch nachgerüstet und auf der Rückseite eingeschoben werden.

Speziell für Server oder Netzwerkspieler empfiehlt Octave Audio ein Line-Eingangsmodul in XLR, mit symmetrischem Eingangsübertrager. Die Masseverbindung des XLR-Eingangs und der Vorstufe kann mittels eines Schalters auf der Platine des Moduls aufgetrennt werden.

Octave hat für die Zukunft weitere Eingangs-Module angekündigt. Mit einem DA-Wandler wird bald gerechnet. Weitere bereits lieferbare Optionen sind – Sie lesen richtig – ein Klangregelnetzwerk mit Höhen- und Tiefenregler sowie Pegelsteller für den linken und rechten Kanal. Mit den Reglern Level L und R lassen sich die Kanäle kanalgetrennt in 1 dB Schritten (!) präzise absenken. Dadurch kann eine genaue „Balance“ der Wiedergabe justiert werden. Die Regler sind als Stufenschalter ausgeführt, was eine exakte Wiederholgenauigkeit und absolute Langzeitstabilität sicherstellt. In Stellung 0 dB sind die Regler überbrückt. Die Regelung ist frequenzkompensiert, sie hat daher keinen negativen Einfluss auf die Qualität des Musiksignals.

Außerdem enthält die Regeleinheit noch einen Ausgangswahlschalter, mit dem z.B. zwei Endstufen mit dem gleichen Signal für den Bi-Amping-Betrieb angesteuert werden oder ein zusätzlicher Kopfhörerverstärker. Die Regeleinheit ist natürlich in Röhrentechnik (mit einer ECC88 (6 DJ8)-Röhre aufgebaut). Feine Sache und gut durchdacht!
Für Perfektionisten gibt es noch eine Besonderheit: Anstelle des Lautstärke-Potentiometers kann ein Stufenschalter für die Regelung eingebaut werden. Die Fernbedienoption entfällt dann. Da die Fernbedienung aber ohnehin nur laut oder leise regelt, ein verschmerzbarer Verlust.

Bei Lautstärkeregelung über einen Stufenschalter handelt es sich um ein aufwändiges Verfahren, bei dem die Widerstandsbahn durch eine Reihenschaltung bestehend aus Einzelwiderständen nachgebildet wird. Der Stufenschalter tastet nun die Verbindungspunkte der Widerstandskette ab. Die Vorteile dieser Lösung liegen auf der Hand: Durch die engtolerierten Festwiderstände liegt die Kanaltoleranz über den gesamten Regelbereich nun bei kleiner 0,1 dB. Die hartvergoldeten Kontakte des Schalters haben einen extrem niedrigen Übergangswiderstand und erzeugen daher keine Mikroschwankungen des Signalpegels, hervorgerufen durch mechanische Resonanzen.

Der Schalter hat 47 Stellungen. Diese ungewöhnlich hohe Stufenzahl ermöglicht eine fein abgestufte reproduzierbare Einstellung der Lautstärke. Die klanglichen Eigenschaften sind über den gesamten Regelbereich konstant, die Mittenortung bleibt durch die vernachlässigbare Kanaltoleranz ebenfalls über den gesamten Bereich stabil. Das Klangbild gewinnt an Raumtiefe, feinste Nuancen werden im Klangteppich hörbar – so die Octave-Bedienungsanleitung.

Das Netzteil ist aus dem Gerät in ein separates Gehäuse ausgelagert. Beim Einschalten läuft zunächst eine Art Prüfprogramm ab und gibt das Tonsignal erst nach ca. 2 Minuten, wenn alle Werte stabil sind, frei.

Nun zur wichtigsten Frage: Wie klingt der HP 700? Ich habe das Gerät in meiner Kette anstelle eines Hovland HP 100 eingeschleift und war eigentlich skeptisch, ob sich klanglich eine nachvollziehbare und nicht nur marginale Verbesserung ergibt. Nach einer Aufwärmzeit von ca. 40 Minuten (das Gerät selbst wurde von Oliver Wittmann bei Vorführungen schon eingespielt) wurde schon nach 3-4 Minuten klar, dass es hier nicht um kleine Verbesserungen im Klangbild ging. Dem Hovland merkte man doch seine gut 15 Jahre an, die er schon – mit dem dritten oder vierten Röhrensatz – in meiner Anlage lief.

Der HP 700 war eindeutig wahrnehmbar der „bessere“ Vorverstärker. Die Raumabbildung war wesentlich tiefer. Orgelaufnahmen „atmeten“ geradezu im Kirchenraum, Chöre standen noch plastischer im Halbrund um den Zuhörer als vorher. Aber, fast noch wichtiger, der Octave Audio war deutlich „schneller“ als der Hovland. Eine ungebändigte Dynamik, dabei aber nie unkontrolliert in Verzerrungen abdriftend. Wie sagen die Engländer so schön „there goes the roof“. Ja, das ging tatsächlich „durch die Decke“ und übertraf meine Erwartungen um ein Vielfaches.

Es klang nie nach „gemütlichem Röhrenverstärker am offenen Kamin“. Aber auch nicht nach Röhre, die auf Transistorklang gequält wurde. Die besondere „Aura“, die Röhrenverstärker umgibt, war da. Mit der Dynamik und dem „Zing“ einer Top-Vorstufe. Musikhören mit dem HP 700 machte einfach Spaß. Immer neue Aufnahmen wanderten in den CD-Player, wurden von der Festplatte abgerufen oder über TIDAL gestreamt. Von einzelnen Aussetzern bei TIDAL abgesehen ein großes Vergnügen (wobei der Octave Audio für die TIDAL-Aussetzer natürlich nichts konnte).

Man entdeckte plötzlich wieder Aufnahmen, die man seit Jahren oder gar Jahrzehnten nicht mehr gehört hatte. Die Nächte vor dem HP 700 wurden lang, sehr lang. Und noch eines: Der HP 700 ist absolut still. Da rauscht nichts, da brummt nichts. Auch der Netztrafo im separaten Gehäuse arbeitet ohne jegliche Nebengeräusche.

Frauen sagt man – wohl auch zurecht – nach, dass sie besser hören als wir Männer. Vermutlich weil Männer meist das Klangbild gedanklich analysieren, welches Instrument steht wo, die Violine wird zu groß abgebildet usw. Frauen wollen einfach hören, der Musik folgen, sich auf die Musik einlassen. Reaktion meiner „Besten aller Ehefrauen“ war, „ … das klingt viel besser als vorher, macht mehr Spaß“. Mehr Lob geht nicht.

Das Gesagte bezieht sich in erster Linie auf den Line-Teil der HP 700. Ein kurzer Check des MC-Phonoteils zeigte einen ähnlichen Charakter. Wobei es bei einem kurzen Reinhören auf der Phonoebene zunächst blieb und ich mich primär mit dem Line-Teil beschäftigte, also ohne mit der Anpassung meines MC-System länger Zeit zu verbringen. Die Tendenz ist aber dieselbe.

Wer auf der Suche nach einem neuen Vorverstärker ist – egal ob nur Line-Vorstufe oder mit Phonoteil –, der sollte sich unbedingt den HP 700 anhören. Die Preise – auch für die diversen derzeit schon verfügbaren Einschübe – stehen unten. Kein ganz billiges Vergnügen, aber im Verhältnis zu den Preisen, die derzeit für Top-Vorverstärker weltweit gefordert werden, ist der HP 700 sicher kein Sonderangebot mehr, aber immer noch günstig und – durch sein Konzept mit dem modularen Aufbau – zukunftssicher für die nächsten Jahre.


Unverbindliche Verkaufspreise:

HP 700
Modular Röhrenvorverstärker mit externem Netzteil: 11.500.- EUR
Option Phono RIAA: 1.500.- EUR
Option Modul Kontrolle: Kontrolle von Ton, Balance und Ausgang Selektor: 2.500.- EUR
Option Stufendämpfungsglied mit 47 Schritte Volumenregler kompensiert: 2.500.- EUR

Input Module für Phono Modul und HP 700
In 1: MM RCA einstellbare Eingangsimpedanz 1k - 47k: 395.- EUR
In 2: MC RCA einstellbare Eingangsimpedanz 50 Ohm - 1k 2 Verstärkereinstellungen: 540.- EUR
In 3: MC XLR einstellbare Eingangsimpedanz 50 Ohm - 1k, 2 Verstärkereinstellungen: 540.- EUR
In 4: Line Eingang RCA – XLR: 540.- EUR
In 6: MC 2 - Stufentransformator, Verhältnis 1:1 5 / 30, 80, / 320 Ohm: 2.150.- EUR
In 7: Balanced MC Stufentransformator, Verhältnis 1:20: 2.150.- EUR
In 8: Balanced Line, Level-Eingangsmodul mit Transformator: 930.- EUR


Autor: Rainer Götz

 
 
 
 
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