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Das Mysterium des letzten Meters - Reiki JundoStream

Das Mysterium des letzten Meters
Erinnern Sie sich noch an die Diskussionen über den Nutzen von Netzkabeln? Ob es denn sein könne, dass die letzte zu überbrückende Entfernung zwischen der Wandsteckdose und der Eingangsbuchse eines HiFi-Geräts klanglich relevant ist, obwohl der Strom vom Kraftwerk bis zur Steckdose schon viele Kilometer zurückgelegt hat? Inzwischen stellt das kein an HiFi Interessierter mehr in Frage.

Unglaublich, dass das Gleiche jetzt auch für den letzten Meter Netzwerkkabel gelten soll: Da schickt Qobuz meine angeforderte Musikdatei paketweise in das vielfach verschachtelte Netzwerk von Internetleitungen, in denen meine Datenpakete über Glasfaserkabel, Internetknoten, wieder Glasfaserkabel und Verteiler über tausende von Kilometern übertragen werden - zusammen mit Abermilliarden Schnipseln von Videos, Bildern, Texten, MP3-, HTML- und Maschinensteuerungs-Daten - bis sie in meinem Router ankommen. Dann rasen die Signale noch einmal 15 Meter weiter durch ein handelsübliches CAT-Kabel zu meinem Hausverteiler-Switch, von dort aus wieder über CAT-Kabel zwei Stockwerke hoch bis zur Netzwerkdose in meinem Musikzimmer und von dort aus noch einmal runde 10 Meter bis zum audiophilen Switch. Und von dessen Ausgang soll der letzte Meter bis zur Netzwerkbuchse meines Streaming Transporters noch einen klanglichen Unterschied machen? Obwohl der Reiki SuperSwitch Pro die Musiksignale vom digitalen Schmutz, mit dem sie sich auf ihrer langen Reise infiziert haben, schon gesäubert hat?

Erste Hör-Erfahrungen
Vor dem Kauf des SuperSwitch hatte ich zwei Netzwerkkabel zum kurzen Probehören zuhause: das preiswerte AIM NA2 und das teure Reiki RakuStream+. Mein persönliches Fazit war damals, dass die Klangunterschiede den zehnmal höheren Preis des RakuStream+ nicht rechtfertigen würden. Oliver Wittmann antwortete mir auf meinen Hörbericht, dass er meine Einschätzung nachvollziehen könne, ich aber „als Horizonterweiterung“ unbedingt das superteure Referenzkabel Reiki JundoStream hören müsse.
Ich hätte es wissen sollen: Mit Speck fängt man Mäuse …

Die Höreindrücke bei einer kurzen Vorführung im HiFi-Studio Wittmann in Botnang machten mich dann tatsächlich neugierig auf einen ausführlichen Vergleich in meiner eigenen Hör-Umgebung:

Quelle: Qobuz-Files
Steuerung: Qobuz Connect
Switch: Reiki SuperSwitch Pro
Streaming Transporter: PS Audio AirLens
D/A-Wandler: PS Audio Direct Stream DAC MK2
Vorverstärker: Linn Klimax Kontrol Dynamik
Endstufen: Linn Klimax 500 Solo Dynamik
Lautsprecher: Quad ESL-2912
Subwoofer: Velodyne DD-12 Plus

Diese fünf Netzwerkkabel, jeweils Richtungs-richtig eingestöpselt zwischen SuperSwitch und Streaming Transporter, standen mir zum Vergleich zur Verfügung:

Reiki JundoStream (ca. 4600 EUR)
Reiki RakuStream+ (ca. 1700 EUR)
AIM NA6 (ca. 700 EUR)
AIM NA2 (ca. 160 EUR)
No Name-Netzwerkkabel (ca. 5 EUR)

Nach einer Einspielphase habe ich jedes der vier anderen Kabel einzeln mit dem JundoStream verglichen. Teilweise habe ich die Kabel dann auch noch untereinander verglichen.

Der Hör-Vergleich: Erstaunliche Unterschiede

Hazmat Modine: „Bahamut“ aus dem Album „Bahamut“ (Jaro, 16 Bit/44 kHz)
Das ist saftig aufgenommener Blues-Rock mit außergewöhnlicher Gebläse-Unterstützung: zwei Mal Mundharmonika, ein seltenes Tasten-Blasinstrument namens Claviola, eine Trompete und fette, tiefe Töne von einer Tuba und einem großen Bariton-Saxofon. Sicher keine High End-Aufnahme, aber ein deftiger Sound-Spaß.

  • Wenn das No Name-Kabel die Daten überträgt: Wo ist der tiefe Bass, das Schillern des Schlagzeug-Beckens? Wo sind die klanglichen Unterschiede zwischen Mundharmonika (links) und der seltsam klingenden Claviola (rechts), wo sind die Feinheiten und der Ausdruck in Wade Schumans Stimme geblieben? Wie schlaff klingen die Saiten der Steel Guitar?
Auf einen weiteren Einsatz des Billig-Kabels habe ich verzichtet, denn diese Leitung taugt nur zur Funktionskontrolle, keinesfalls zum Musikhören.

  • Wie klingt es mit dem RakuStream? Das Relief der tiefen Töne ist nicht so wunderbar prall ausgeformt wie mit dem JundoStream, die Eigenheiten der Blasinstrumente werden nicht so klar dargestellt, die Wucht und die physische Präsenz des Sängers Wade Schuman und der Bläser gehen ein Stück weit verloren.
  • Mit den beiden AIM-Kabeln, dem NA6 und dem NA2 setzt sich in beiden Fällen diese Tendenz zum Verunklaren und zum geringer ausgeprägten Live-Eindruck fort.
Franz Liszt: „Paganini-Etüde Nr. 3 gis-moll La Campanella" aus dem Album „Etudes d´execution transcendente“, gespielt von Alice Sara Ott (Deutsche Grammophon, 16 Bit/44 kHz)
In den ersten 32 Sekunden dieses mit pianistischen Höchstschwierigkeiten gespickten Stückchens bimmelt das namensgebende „Glöckchen“ in rasender Geschwindigkeit 56-mal mit dem viergestrichenen Dis als oberstem Ton, bevor 3-mal das dreigestrichene Gis zu hören ist.

  • Allein wie Alice Sara Ott und das JundoStream die hohen Töne und vor allem dieses Gis in aller Schönheit schimmern lassen, bringt den Klavierliebhaber und Klangfetischisten in mir zum Jubeln.
  • Wenn das RakuStream die Daten weiterleitet, fehlt dieses besondere Edelmetall-Schimmern: es klingt nach billigerem Metall. Auch ebnet das zweitteuerste Netzwerkkabel die feinen Dynamik-Abstufungen, mit denen Alice Sara Ott die Tasten anschlägt, merklich ein.
  • Stöpsele ich das AIM NA6 oder das AIM NA2 ein, passiert abgestuft dasselbe: die hohen Töne hören sich fast schon blechern und belegt an und die feinsten Dynamikunterschiede sind noch weniger wahrnehmbar.

Georg Friedrich Händel: „What passion cannot music raise and quell“ aus dem Album „La Francescina - Handel´s Nightingale“, gesungen von Sophie Junker und gespielt vom Le Concert de l´Hostel Dieu unter Franck-Emmanuel Comte (Aparté, 24 Bit/96 kHz)
Ein Arie aus der Ode zu Ehren der heiligen Cecilia, die Schutzpatronin der Kirchenmusik: Was sich so langweilig anhört, wird unter den kundigen Händen des französischen Kammermusikensembles und mit der herrlichen Sopranstimme von Sophie Junker zu einem sinnlichen Fest für Freunde barocker Musik und für jeden HiFi-Interessierten, der wissen will, wie sensationell natürlich eine Aufnahme klingen kann.

  • Was fehlt der Musik, wenn das RakuStream statt des JundoStreams im Einsatz ist? Die klangliche Differenzierung zwischen Cello und Kontrabass ist deutlich weniger ausgeprägt. Das kurze Wechselspiel von Violinen und Violas beim Vorspiel wirkt nicht so schön ausgesungen. Der wunderbare Ausdruck, den die Cellistin mit ihrem Bogen auf den vier Saiten formt, geht ein Stück weit verloren. Die Saiten der Theorbe schwingen nicht so lebendig. Die fast körperliche Präsenz der Sopranistin, wie sie die hohen Töne schwerelos in die Höhe und Breite des Aufnahmeraums strömen lässt, erlebt deutliche Einbußen. Insgesamt ist das kein Absturz nach der klanglichen Opulenz des JundoStreams, aber ein herber Verlust.
  • Das AIM NA6 macht alles ein bisschen besser als das AIM NA2, bei beiden ist aber nach dem RakuStream ein weiteres Defizit an Klangqualität zu beklagen.

The Orthodox Singers Male Chorus: „Chant de penitence pour la Russie“ aus dem Album „Basso profondo from Old Russia“, dirigiert von Georgy Smirnov (Saison Russe, 16 Bit/44 kHz)
Dem Reiz der ultratiefen Bässe in russischen Chören kann man sich nur schwerlich entziehen. Auch dann nicht, wenn die Stimmen gar nicht solistisch in Erscheinung treten, sondern nur mit tiefschwarzer Farbe den Chorklang grundieren. Gegen diese Basso profondo-Sänger klingt selbst der mit einer wirklich dunklen Stimme gesegnete Barry White wie ein Tenor. Wunderbar kontemplative Musik übrigens.

  • In voller Substanz macht die Besonderheit dieser Monsterbässe nur das JundoStream hörbar.

  • Mit dem RakuStream schwebt der Chorklang nicht so schön im Raum, fehlt den kolossal tiefen Stimmen das allerdunkelste Fundament.

  • Mit den beiden AIM-Kabeln geht der Reiz dieser Aufnahme – das untergründige Wabern der dunklen Bässe – mehr oder weniger fast verloren.


AC/DC: „Hells Bells“ aus dem Album „Back in black“ (Columbia, 24 Bit/96 kHz)
Die Glocke von AC/DC ist nicht so schwer wie Big Ben, die große Glocke von Westminster in London, dürfte mindestens genauso bekannt sein.

  • Spielt das RakuStream, klingt das Spektrum der Glocke nicht so klar und auch nicht so volltönend wie mit dem JundoStream. Die nach vier Glockenschlägen einsetzende E-Gitarre wird ein bisschen weniger intensiv bearbeitet.

  • AIM NA6 und AIM NA2 entlocken der Aufnahme nochmals weniger Glockenklang.

Youn Sun Nah: „Please, don´t be sad“ aus dem Album „Voyage“ (ACT, 24 Bit/88 kHz)
Qobuz sortiert die Alben der Koreanerin Youn Sun Nah unter der Rubrik Jazz ein. Tatsächlich synthetisiert und destilliert die Sängerin seit mehr als zwanzig Jahren über alle musikalischen Grenzen hinweg ihre völlig eigenständige Musikmischung. „Please, don´t be sad“ ist im Kern rhythmischer Rock-Jazz, veredelt durch die herrlich biegsame helle Stimme der Sängerin.

  • Mit dem JundoStream wirkt die Vokal-Percussion zu Beginn viel deutlicher, körperhafter, schwingen die Saiten des Basses definierter und trotzdem viel lockerer, ist der Kopf von Youn Sun Nah physisch präsenter als beim Hören des gleichen Stücks mit dem RakuStream.

  • Direkt nach dem JundoStream bedeutet der Klang der beiden AIM-Kabel einen deutlichen Rückschritt. Natürlich ist das noch immer eine faszinierende Musiknummer, aber die von der Stimme und dem herrliche Bass-Saitenklang erzeugte Atmosphäre ist dahingeschwunden.

Rosalia: „Saoko“ aus dem Album „Motomami +“ (Columbia, 24 Bit/48 kHz)
Elektronisch dominierte Musik ist nicht unbedingt meine bevorzugte Musikrichtung, aber diese freche, quirlige junge Spanierin verwandelt ihre wild zusammengestellten Musik-Experimente sowohl in tanzbare als auch in anhörbare und vor allem abwechslungsreiche Songs.

  • Mit dem RakuStream klingen die häufig verfremdete Jungmädchenstimme, das Flirren der Schlagzeugbecken, die harten Impulse der elektronischen Instrumente noch vordergründiger, als sie sowieso schon abgemischt sind.

  • Bei dieser garantiert nicht audiophilen Aufnahme könnte ich mich noch am ehesten mit dem Klang der beiden AIM-Kabel anfreunden. Weil da nichts wirklich „natürlich“ klingt, empfinde ich den Verlust an direkter Ansprache weniger.

Domenico Scarlatti: „Sonate d-moll K. 9" aus dem Album „Sonatas“, gespielt von Angela Hewitt (Hyperion, 24 Bit/96 kHz)
Und noch einmal eine besondere Klavier-, oder richtig: Flügel-Aufnahme. Ich kann vollauf verstehen, dass die Kanadierin Angela Hewitt ihren vor einigen Jahren bei einem Transportunfall zerstörten Fazioli F278-Flügel so geliebt hat.

  • Besser als vom Tonmeister Ludger Böckenhoff im Beethoven-Saal in Hannover aufgenommen und über das JundoStream wiedergegeben, kann eine Flügel-Aufnahme im heimischen Musikzimmer nicht klingen. Mir fehlen die Worte.

  • Via RakuStream gehört, steht der Fazioli nicht so volltönend im Raum, kann sich der Klang weniger weit ausbreiten, fehlt der letzte Glanz.

  • Mit AIM NA6 und AIM NA2 höre ich immer noch eine tolle Klavier-Aufnahme, aber was den Klang dieses Fazioli-Flügels wirklich ausmacht, wird hier nur angedeutet.

Jakob Manz: „When the Party´s over“ aus dem Album „Groove Connection“ (ACT, 24 Bit/96 kHz)
Zuerst synchron perlende Gitarren- und Bass-Töne, dann ein butterweich gehauchtes Altsaxofon, das ist perfekte Musik zum Entspannen am späten Abend. Auch wenn eine mithörende, klassisch ausgebildete Musikerin mäkelt, dass der Ansatz des Bläsers noch verbesserungsfähig wäre …
Zugespitzte Charakterisierung der Kabel:

  • Ein Traum mit Gänsehaut-Garantie, wenn das JundoStream spielt.

  • Schöne Musik, wenn das RakuStream seinen Dienst verrichtet.

  • Mit dem AIM NA6: Angenehme Feierabendklänge, passend zum Absacker.

  • Mit dem AIM NA2: Das nette Stück noch zu Ende hören und dann ins Bett.

Mein Fazit der Hör-Session

Wer nicht direkt vergleicht, lebt glücklicher ...

Wenn ich das JundoStream nicht kennen würde, könnte ich mit jedem der gehörten Kabel (mit Ausnahme des No Name-Kabels) zufrieden Musik hören. Einschränkung: Wichtiger als jedes nachgeschaltete Netzwerkkabel sind die Reinigungskünste des vorgeschalteten Reiki SuperSwitch. Ohne den geht´s nicht.

Das AIM NA2-Kabel klingt schon Welten besser als ein Standard-Kabel aus dem Elektromarkt oder dem Versandhandel und ist für seinen Preis ein absolutes Schnäppchen. Das AIM NA6 rechtfertigt seinen höheren Preis mit einer gesteigerten Durchhörbarkeit. Wie so häufig: Der Preisaufschlag ist aber deutlich höher als der Klangfortschritt. Beim finanziellen Schritt zum RakuStream+ tue ich mich schwer: der relativ kleine Klangfortschritt gegenüber dem AIM NA6 ist hörbar, aber teuer zu bezahlen.

Beim JundoStream endet für mich jede Diskussion: Es sieht nicht aus wie andere Netzwerkkabel. Es klingt nicht wie andere Netzwerkkabel. Es ist schlicht wahnsinnig teuer, rund tausend Mal teurer als ein No Name-Kabel. Aber die Verbesserung gegenüber dem besten anderen Netzwerkkabel, dem RakuStream, ist gewaltig.

Wie sagte ein mithörender Freund: Das Ding hat Komponenten-Status. Will sagen, wer beispielsweise den Tonabnehmer an seinem analogen Plattenspieler gegen ein besseres Exemplar austauscht, macht einen ähnlich großen Sprung in der Klangqualität. In meiner Anlage hat jedenfalls noch kein NF-Kabel, kein Netzkabel und kein Lautsprecherkabel eine derart deutliche Verbesserung gebracht.

Wer wirklich wissen will, wie gut Streaming eigentlich klingen kann, muss dieses Netzwerkkabel in Kombination mit dem Reiki SuperSwitch hören. Und wenn Geld keine Rolex spielt … dann ist es auch völlig egal, dass es nur der letzte Meter Leitung nach einer ewig langen Übertragungsstrecke ist.