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Reiki Audio SuperSwitch Pro im Hörtest – digitale Entstörung beim Streaming

Digitale Entstörung - ein neues Thema für Audiophile

Bei der highfidelen Musikwiedergabe haben wir Audiophilen gelernt, dass sauberer Strom – zum Beispiel durch gute Netzkabel oder Austausch der internen Gerätesicherungen – ein nicht zu unterschätzender klangrelevanter Faktor ist. in Zusammenhang mit der derzeit angesagtesten digitalen Audioquelle, dem (HighRes-)Streaming, kommt nun ein zusätzlicher Faktor ins Spiel: die Qualität des Streaming-Signals. Und da spielen nicht nur die verwendeten Netzwerkkabel eine Rolle, sondern eine für Musikfreunde bislang völlig irrelevante Gerätegattung: der Switch. Ein Gerät, das in der normalen Welt außerhalb des HiFi-Universums als Weiche oder Verteiler in EDV-Netzen eingesetzt wird und mit dem sich normalerweise EDV-Netzwerktechniker beschäftigen. Und so ein zusätzlicher Switch zwischen Router und Streamer soll digitale Audio-Streams säubern und so für eine klangliche Verbesserung sorgen?

Statt lange Fakten zu recherchieren oder per KI zusammenstellen zu lassen oder über Sinn und Zweck solcher Geräte zu philosophieren, hören wir doch einfach mal, was beim Einsatz eines solchen Geräts in einer hochwertigen Audiokette passiert …

Das HiFi-Studio Wittmann stellte mir für einen Vergleich in meiner heimischen HiFi-Anlage leihweise einen Reiki Audio SuperSwitch Pro zur Verfügung, ein Gerät in Größe einer Zigarrenschachtel mit einem Netzteil, das so groß und so schwer ist wie ein massiver Ziegelstein. Dazu diverse Kabel. Wer sich für die technischen Details interessiert, ist hier an der falschen Stelle. Mir geht es ausschließlich um das akustische Ergebnis. 

Wie lief der Hör-Test?
Vor dem ersten Hören durfte sich der Switch an seinem provisorischen Stellplatz auf der Gütte-Bank rund 20 Stunden an meinem heimischen Stromnetz aufwärmen. Der SuperSwitch war dabei mit dem mitgelieferten speziellen Versorgungskabel an sein Netzteil angeschlossen, das wiederum Strom von einem Phonosophie-Netzkabel bezog.

Der Testaufbau war folgender: Zum Hören stöpselte ich das hauseigene Standard-Netzwerkkabel abwechselnd entweder in den Eingang meines Streaming Transporters (neudeutsch: Bridge) PS Audio AirLens oder in den Eingang des SuperSwitch. Im zweiten Fall führte ein AIM NA2-Netzwerkkabel vom Ausgang des SuperSwitch zum Eingang des AirLens. Die digitale Kette bestand des Weiteren aus einem WireWorld Silver Sphere-HDMI-Kabel vom Streamer zum D/A-Wandler PS Audio Direct Stream DAC MK2. Datenlieferant war jeweils ein Qobuz-Stream, gesteuert via Qobuz Connect.

Erste überraschende Erkenntnis: Qobuz Connect mag das Umstöpseln eines Netzwerkkabels nicht. Vor jedem Wechsel musste ich deshalb die App schließen und den AirLens ausschalten. Und nach dem Wechsel beides wieder starten. Nur dann kam eine neue Verbindung zustande.

Überraschende erste Hör-Eindrücke

Franz Liszt: „Paganini-Etüde Nr. 3 gis-moll La Campanella" (aus dem Album „Etudes d´execution transcendente“, gespielt von Alice Sara Ott, Deutsche Grammophon/16 Bit/44 kHz)
Die unglaublich feinen Unterschiede in der Mikro-Dynamik und in der Klangentwicklung, die die Pianistin schon in der ersten Minute dieser extremen „Fingerübungen für die rechte Hand“ (Wikipedia-Zitat) vor allem an den oberen Tasten ihres Steinway-Flügels zaubert, zeigt nur die Verbindung über den SuperSwitch. Wenn mein Netzwerkkabel direkt an den Streamer angeschlossen ist, geht ein Teil davon schlicht verloren. Und diese Zirkusnummer auf den Tasten verdient jede Nuance, jede dynamische Schattierung!

Meine überraschende Erkenntnis: Wer das wahre pianistische Können von Alice Sara Ott zuhause im Wohnzimmer erleben will, muss die vom Musikdienst gestreamten Daten noch vor dem Streamer vom zwangsläufig mittransportierten Netz-Schmutz befreien.

Georg Friedrich Händel: „What passion cannot music raise and quell“ (aus dem Album „La Francescina - Handel´s Nightingale, gesungen von Sophie Junker und gespielt vom Le Concert de l´Hostel Dieu unter Franck-Emmanuel Comte (Aparté/24 Bit/96 kHz)
Für diese sensationell gute Aufnahme ist Detailauflösung nicht nur für ein einzelnes Instrument gefragt, sondern für ein kleines Kammerorchester mit einer Sopranistin. Und wieder höre ich mit dem angeschlossenen SuperSwitch mehr musikalische Feinheiten: Das sanfte Gleiten von Fingern über die Saiten einer Theorbe, das von seiner baritonalen Tiefe bis in höhere Lagen herrlich singende Solo-Cello, das bewegte Kontrabass-Schrummen, das zarte Zirpen des Cembalos, das leise jubelnde Wechselspiel von Violinen und Violas, nach fast zweieinhalb Minuten Vorspiel die leuchtend-flutende, warme Sopranstimme … Ein Traum an musikalischer Vollständigkeit in der Vielfalt der Nuancen!

Für den SuperSwitch-Betrieb spricht zusätzlich der länger hörbare Nachhall, das Ausklingen der Töne im Aufnahmeraum (die Kirche Temple Lanterne in Lyon).

Erhellend ist hier auch ein Vergleich mit der CD, abgespielt über mein Laufwerk PS Audio Perfect Wave SACD Transport. Wenn der hochaufgelöste Qobuz-Stream direkt in den AirLens eingespeist wird, ist der Unterschied zur CD-Wiedergabe minimal. Läuft der Stream über den SuperSwitch, dann höre ich mehr klangliche Finessen als bei der CD.

Hör-Lernkurve
Zuerst dachte ich nach diesen ersten Eindrücken, dass nur absolute Top-Aufnahmen vom SuperSwitch profitieren. Und ließ mich dann mit weiteren Titeln eines Besseren belehren …

Ana Popovic: „U complete me“ (aus dem Album „Still making History“, Eclecto Groove/16 Bit/44 kHz)
Auch wenn Songs nicht audiophil, dafür aber kernig und sauber aufgenommen sind wie dieser herzhaft gewürzte Blues-Rock-Titel, hört man via SuperSwitch die Schlagzeug- und Becken-Arbeit klarer definiert, den Bass exakter, die Stimme der Serbin plastischer im Fokus.

Forniquette: „Just another pretty Face“ (aus dem Album „Forniquette“, Steady Music/16 Bit/44 kHz)
Eigentlich ist das eine Aufnahme, für die man kein High End-Equipment braucht. Da dröhnen die Bass-Gitarre und das Schlagzeug, schmettern diverse nicht wirklich erkennbare Bläser, nuschelt eine verzerrte Sprech-Stimme: ein einziger voluminöser Sound-Brei. Und trotzdem profitiert auch so ein heftiger Titel vom SuperSwitch: Das Ganze wirkt noch wuchtiger und gleichzeitig aufgeräumter.

Santana: „Singing Winds, crying Beasts“ (aus dem Album „Abraxas“, Columbia/24 Bit/176 kHz)
Das Rauschen eines Verstärkers, das Streichen mit den Fingern über die Saiten eines Flügels, die Anschläge auf dem Flügel, das Schwirren der Percussion-Instrumente, die scharf einsetzende E-Gitarre, der dumpf klingende Bass: Für eine Einspielung aus dem Jahr 1970 ist das unglaublich gut aufgenommen. Man vergleiche das mit dem Sound der Alben von Led Zeppelin oder Emerson, Lake & Palmer aus diesem Jahr! Natürlich spricht der tolle Klang auch für die Arbeit der remixenden Toningenieure. Und was macht der SuperSwitch besser? Alles wird deutlicher, klarer, wirkt weniger steril.

Hot Sardines: „Bei mir bist du schoen“ (aus dem Album „The Hot Sardines“, Decca/24 Bit/96 kHz)
Dieser Titel, 1932 komponiert für ein Musical, bekannt gemacht aber von dem Vokal-Trio Andrew Sisters, wird hier interpretiert von einer perfekt zusammenspielenden Oldtime-Jazzband mit einer ungewöhnlich variabel singenden Frau als Mittelpunkt: sauber arrangierte Bläser, ein klimperndes Piano, vokale Einwürfe der männlichen Begleiter, rasant vorangetrieben vom unermüdlichen Schlagzeug-Bass-Duo. Einfach eine herrlich altmodische Musik-Mischung, aber im modernen Sound-Kostüm. Mit dem SuperSwitch klingt das so fehlerlos, wie die Mädchen auf den Hochglanzfotos im „Playboy“, „Penthouse“ und „Hustler“ aussehen. Ohne Switch dagegen eher so, wie mit einem billigen Handy aufgenommen.

Art Ensemble of Chicago: „Charlie M“ (aus dem Album „Full Force“, ECM/24 Bit/96 kHz)
Frei veredelter Swing: der treibende Kontrabass, sanftes Besenspiel auf der Trommel, schmierig gespielte Saxophone und die vorwitzige Trompete erinnern mich an das berühmte „Pink Panther“-Thema von Henry Mancini, und wechseln sich mit freier gespielten Passagen ab. Hier ist die Auflösung musikalischer Details wieder die Domäne des SuperSwitch und zeigt die enorme Dynamik und den Druck dieses Titels.

Tampa Red: „Through Train Blues“ (aus dem Album „Rough Guide to Railroad Blues“, World Music Network/16 Bit/44 kHz)
Bei so einer nachträglich digitalisierten Schellack-Aufnahme aus dem Jahr 1928 kann auch ein Gerät wie der SuperSwitch nicht zaubern: Der Klang der Stimme und die Bottleneck-Gitarre von Tampa Red sowie die Tuba-Töne eines unbekannten Begleiters werden vom ständigen Schellack-Lauf- und Schleifgeräusch doch erheblich beeinträchtigt. Da sah ich mich nicht mehr in der Lage, Unterschiede herauszuhören … Aber historisch wertvolle Blues-Aufnahmen hört man sich ja auch nicht wegen der Klangqualität an.

Das Problem mit dem Preis
Für Musikfreunde wie mich, die viele LPs und CDs besitzen und diese weiterhin gleichberechtigt neben dem Streaming-Angebot hören wollen, ist der Preis von rund 4.600 EUR eine heftige Ansage. Insbesondere für den überschaubaren materiellen Aufwand, den Reiki Audio mit dem zweiteiligen SuperSwitch treibt, zum Beispiel im Vergleich zu aufwändigen Phonovorstufen wie zum Beispiel von Accuphase, Allnic oder Tom Evans. Wie noch teurere Switches ihren Preis rechtfertigen wollen, ist mir schleierhaft.
Gut, man könnte den SuperSwitch in der Plus-Version mit dem Standard-Schaltnetzteil von iFi kaufen (statt in der Pro-Version mit dem großen Trafo-Netzteil) und damit mehr als die Hälfte des Kaufpreises sparen. Da ich aber spätestens seit dem Einsatz eines Linearnetzteils anstelle des Schaltnetzteils an meinem Router weiß, wie viel eine bessere, störungsfreiere Stromversorgung klanglich ausmacht, halte ich das für keine gute Idee. 

Günstigere Alternativen?
Selbstverständlich wollte ich auch wissen, was ich in meiner teuren HiFi-Kette mit einem Switch am unteren Ende der Preisskala erreichen könnte. Doch die akustischen Eindrücke sind leider eindeutig: mit einem „normalen“ Switch aus dem Elektronik-Versandhandel kann ich keine wirkliche Klang-Verbesserung feststellen. Auch günstige audiophile Switches wie der Silent Angel Bonn N8 (mit einem Standard-Steckernetzteil) bieten im Vergleich zum SuperSwitch zu wenig Reinigungsleistung. Ja, auch der kleine Silent Angel zeigt, dass in Musik-Streams mehr Details hörbar sind, als wenn mein AirLens alleine spielt. Aber diese reife Fülle an Feinheiten, die der SuperSwitch präsentiert, dieses Gefühl, wirklich bei der Musik zu sein, das kann die kleine Lösung nicht bieten. Wenn Sie Ihre Lieblings-Pasta beim Lieblingsitaliener gegessen haben, dann können Sie hinterher auch keine Spaghetti Bolognese aus dem Rewe-Fertiggericht-Regal genießen ...

Ohne es tatsächlich geprüft zu haben, wage ich die Behauptung, dass sich der Einsatz des SuperSwitch umso mehr lohnt, je hochwertiger die nachgeschaltete HiFi-Anlage ist.

Kurz-Fazit
Für mich komme ich zum vorläufigen Ergebnis, das der Reiki SuperSwitch Pro eines jener Geräte ist, die man haben sollte … die man unbedingt braucht … die man sich leisten wollen muss ...